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Ein funkelnder Spaziergang durch die Nacht

Ein funkelnder Spaziergang durch die Nacht

Ein funkelnder Spaziergang durch die Nacht
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Am Morgen des vierzehnten Dezembers lag noch immer ein Hauch von süßem Honigduft im Wohnzimmer, der Loonie an die gemütliche Bastelstunde mit den Bienenwachskerzen erinnerte. Die kleine Spitzhündin reckte sich ausgiebig in ihrem Körbchen und schüttelte ihr goldenes Fell, bereit für den neuen Tag. Als Anna und Tobi die Treppe herunterkamen, tapste Loonie ihnen sofort fröhlich entgegen, denn sie wusste genau, was jetzt an der Reihe war: Der Gang zum Adventskalender. Anna hob das vierzehnte Säckchen vom Band. Es fühlte sich hart an und klackerte leise, als sie es schüttelte. „Klingt nicht nach Schokolade“, vermutete Tobi und grinste. Neugierig steckte Loonie ihre Nase so nah an das Säckchen, dass ihre Schnurrhaare zitterten. Anna öffnete den Knoten und ließ drei kleine, herzförmige Anhänger aus festem Kunststoff in ihre Handfläche gleiten. Sie waren neongelb und hatten in der Mitte einen kleinen Knopf. „Sicherheitslichter für die dunkle Jahreszeit!“, rief Anna erfreut. Sie drückte auf einen der Knöpfe, und sofort begann das Herz hell zu blinken. „Eins für dich, eins für mich und das schönste für Loonie“, bestimmte Tobi. Er befestigte das kleine Blinklicht am Halsband der Hündin. Loonie drehte den Kopf hin und her und versuchte, das seltsame Ding zu sehen, das unter ihrem Kinn leuchtete. „Jetzt bist du unser kleines Glühwürmchen“, lachte Tobi und kraulte sie liebevoll. Da es draußen noch immer früh dunkel wurde, beschloss die kleine Familie, die neuen Lichter am Abend gleich auszuprobieren. Sie wollten einen großen Spaziergang durch die Nachbarschaft machen, um sich die Weihnachtsbeleuchtung der anderen Häuser anzusehen. Als die Dämmerung hereinbrach und der Himmel sich in ein tiefes Dunkelblau färbte, zogen sich Tobi und Anna ihre dicksten Jacken, Mützen und Handschuhe an. Auch Loonie bekam ihr rotes Halstuch umgebunden, das der Nikolaus gebracht hatte, und natürlich schaltete Tobi stolz ihr neues Blinklicht ein. Draußen war die Luft klirrend kalt und frisch. Der Schnee unter ihren Stiefeln knirschte bei jedem Schritt so laut, dass Loonie immer wieder stehen blieb und lauschte. In der Dunkelheit wirkte die vertraute Straße wie verzaubert. „Schau mal dort drüben“, flüsterte Anna und zeigte auf ein Haus, dessen Dachrinne mit hunderten von kleinen Eiszapfen-Lichtern geschmückt war. Loonie folgte Annas Fingerzeig, doch sie interessierte sich mehr für einen Busch im Vorgarten, in dem eine bunte Lichterkette blinkte. Fasziniert beobachtete sie, wie die Farben von Rot zu Grün und dann zu Blau wechselten. Vorsichtig setzte sie eine Pfote vor die andere, immer bereit, zurückzuspringen, falls der Busch sich bewegen sollte. Tobi lachte leise. „Keine Sorge, Loonie, das sind nur Lämpchen. Die tun nichts.“ Ein paar Häuser weiter erlebten sie die größte Überraschung. Mitten auf einem verschneiten Rasen stand ein riesiges Rentier aus Draht, das über und über mit goldenen Lichtern umwickelt war. Es leuchtete so hell, dass der Schnee darum herum glitzerte wie Diamantenstaub. Loonie blieb wie angewurzelt stehen. Sie legte den Kopf schief und gab ein leises, fragendes „Wuff“ von sich. War das ein neuer Freund? Oder ein seltsamer Besucher aus dem Wald? Mutig zog sie Tobi an der Leine ein Stück näher heran, um an den Vorderhufen des leuchtenden Riesen zu schnuppern. Als das Rentier sich nicht rührte und auch nicht nach Tier roch, sondern nur nach kaltem Metall, verlor sie die Scheu und markierte stolz den Schneehaufen direkt daneben. „Braves Mädchen“, lobte Anna kichernd. „Du hast das Leucht-Rentier erobert.“ Auf dem Rückweg begann es leicht zu schneien, und die Flocken tanzten im Schein der Straßenlaternen und in Loonies kleinem Blinklicht. Durchgefroren, aber mit rosigen Wangen und voller neuer Eindrücke kehrten sie schließlich in ihr warmes Zuhause zurück. Während Tobi in der Küche Wasser für Tee aufsetzte, kuschelte sich Loonie zufrieden in ihr Körbchen. Die vielen Lichter draußen waren wunderschön gewesen, aber das schönste Licht war doch das warme Leuchten in ihrem eigenen Wohnzimmer, wo sie sich sicher und geborgen fühlte.