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Der perfekte Baum aus dem Tannenwald

Der perfekte Baum aus dem Tannenwald

Der perfekte Baum aus dem Tannenwald
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Am Morgen des sechzehnten Dezembers erwachte Loonie mit einem wohligen Gefühl im Bauch. Vielleicht lag es an den köstlichen Leberwurst-Sternen, die sie gestern auf dem Weihnachtsmarkt bekommen hatte, oder an der besonders weichen Decke, in die Anna sie eingekuschelt hatte. Als Tobi im Schlafzimmer die Vorhänge aufzog, tanzten draußen dicke Schneeflocken vom Himmel. Doch heute schien Tobi es besonders eilig zu haben. „Aufwachen, ihr Schlafmützen! Heute steht eine große Aufgabe an“, rief er fröhlich und klatschte in die Hände. Neugierig tapste die kleine Spitzhündin ins Wohnzimmer, wo Anna bereits vor dem Adventskalender wartete. Das sechzehnte Säckchen fühlte sich stachelig und hölzern an. Als Anna es öffnete, kullerte ein wunderschön vergoldeter Tannenzapfen heraus. Loonie schnupperte vorsichtig daran. Er roch nicht nach Schokolade oder Hundekeksen, sondern nach Wald, Erde und frischem Harz. „Das ist unser Zeichen“, erklärte Anna und hielt den Zapfen hoch. „Heute holen wir unseren Weihnachtsbaum!“ Loonie legte den Kopf schief und wackelte kurz mit den Ohren, als hätte sie jedes Wort verstanden. Nach einem schnellen Frühstück fuhren sie mit dem Auto ein Stück aus der Stadt hinaus, dorthin, wo die Häuser seltener und die Bäume zahlreicher wurden. Sie hielten an einer großen Schonung, wo ein freundlicher Mann mit dickem Bart unzählige Tannenbäume aufgestellt hatte. Überall roch es herrlich würzig nach Nadeln und frisch gesägtem Holz. Für Loonie war dieser Ort wie ein riesiger Abenteuerspielplatz. Der Boden war mit Sägespänen und Nadeln bedeckt, die lustig unter ihren Pfoten knirschten, und überall gab es neue, aufregende Gerüche zu entdecken. „Wir brauchen einen Baum, der nicht zu groß, aber auch nicht zu klein ist“, sagte Tobi und zog prüfend an einem Ast einer riesigen Nordmanntanne. Ein Schwall Schnee rieselte auf seine Mütze herab, was Anna kichernd beobachtete. Loonie lief im Zickzack durch die Reihen der aufgestellten Bäume. Für sie war es wie ein Labyrinth aus grünem Dickicht. Mal verschwand ihr goldener Schwanz hinter einem buschigen Zweig, mal lugte ihre feuchte schwarze Nase unter einer Blautanne hervor. Die Auswahl war gar nicht so einfach. Der eine Baum war Anna zu krumm, der nächste war Tobi zu dünn, und bei einem dritten fehlte an der Seite ein ganzer Ast. Doch dann blieb Loonie plötzlich vor einer mittelgroßen Tanne stehen. Sie war dicht gewachsen, hatte eine wunderschöne Spitze und ihre Nadeln glänzten dunkelgrün im Winterlicht. Die Hündin bellte kurz und stupste den Stamm mit der Nase an, als wollte sie sagen: „Der hier! Der riecht am besten!“ Anna und Tobi kamen herbei und betrachteten Loonies Fundstück. Tobi drehte den Baum einmal im Kreis. Er war perfekt. „Du hast wirklich ein gutes Auge, kleine Loonie“, lobte Anna und kraulte die Hündin hinter den Ohren. Gemeinsam trugen sie den Baum zum Auto. Tobi und der bärtige Verkäufer hievten die Tanne vorsichtig in den Kofferraum, während Loonie stolz daneben saß und aufpasste, dass kein Ast verloren ging. Zurück im warmen Haus stellten sie den neuen Mitbewohner erst einmal im kühlen Flur auf, damit er sich an die Wärme gewöhnen konnte. Sofort erfüllte der frische Duft des Waldes das ganze Erdgeschoss. Loonie legte sich auf den Teppich vor den Baum und bewachte ihn zufrieden. Sie wusste zwar noch nicht genau, was nun mit diesem grünen Riesen im Haus passieren würde, aber sie spürte, dass er etwas ganz Besonderes war. Während Tobi und Anna in der Küche bereits über den Baumschmuck diskutierten, schloss Loonie die Augen und träumte von tiefen Wäldern und goldenen Zapfen.