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Der Einzug des grünen Riesen

Der Einzug des grünen Riesen

Der Einzug des grünen Riesen
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Am Morgen des siebzehnten Dezembers kitzelte ein ganz besonderer Duft Loonies feine Hundenase. Es roch nicht nach Kaffee oder warmen Brötchen, sondern intensiv nach Tannenwald, feuchtem Moos und ein bisschen nach Abenteuer. Sofort erinnerte sich die kleine Spitzhündin an den gestrigen Tag, als sie gemeinsam mit Tobi und Anna den schönen Weihnachtsbaum ausgesucht hatte. Die Tanne hatte die Nacht im kühlen Hausflur verbracht, doch heute war der große Tag ihres Einzugs in das gemütliche Wohnzimmer. Bevor der Baum seinen Platz einnehmen konnte, versammelte sich die kleine Familie natürlich erst vor dem Adventskalender. Loonie wedelte aufgeregt mit ihrem buschigen Schwanz und stupste das siebzehnte Säckchen an. Es fühlte sich leicht an und knisterte leise. Als Anna die Schnur löste, kamen filigrane, goldene Sterne zum Vorschein. „Oh, schau mal, Loonie! Das sind Strohsterne“, erklärte Anna und hielt der Hündin vorsichtig einen der Sterne hin. Loonie schnupperte daran. Das Material roch vertraut nach Sommerwiese und trockenem Gras, was ihr sofort gefiel. Vorsichtig leckte sie einmal kurz über das stachelige Stroh, was Tobi zum Lachen brachte. „Na dann, an die Arbeit! Unser grüner Mitbewohner wartet“, rief Tobi tatkräftig. Gemeinsam gingen sie in den Flur. Tobi packte den Baum am Stamm, Anna hielt die Spitze, und Loonie überwachte jeden Schritt mit schiefgelegtem Kopf. Mit einem leisen Ächzen und viel Gelächter manövrierten sie die Tanne durch die Wohnzimmertür. Loonie wuselte dabei aufgeregt um ihre Beine herum, immer darauf bedacht, keinem der pieksigen Zweige zu nahe zu kommen. Als der Baum schließlich sicher in seinem Ständer stand und Tobi das Netz durchschnitt, das die Äste zusammenhielt, passierte etwas Magisches: Die Zweige entfalteten sich langsam und breiteten sich aus, als würde der Baum tief einatmen und sich strecken. Plötzlich wirkte das Wohnzimmer viel kleiner und gleichzeitig viel gemütlicher. „Er ist perfekt“, seufzte Anna glücklich. Nun begann der vielleicht schönste, aber auch chaotischste Teil. Tobi holte die lange Lichterkette hervor, die sich – wie in jedem Jahr – in ein fast unlösbares Knotenknäuel verwandelt hatte. Loonie beobachtete fasziniert, wie Tobi mit den Kabeln kämpfte, und versuchte zwischendurch spielerisch, eines der kleinen Lämpchen zu fangen. Anna musste kichernd eingreifen und die Hündin mit einem Kauknochen ablenken, bis Tobi endlich den Kampf gegen den Kabelsalat gewonnen hatte. Als die Lichterkette endlich in den Zweigen hing, durfte Loonie wieder mithelfen. Anna nahm die neuen Strohsterne aus dem Adventskalender. „Hier unten, da kommst du gut dran“, sagte sie und zeigte auf einen tief hängenden Ast. Loonie stellte sich auf die Hinterbeine und stützte die Vorderpfoten sanft auf Annas Knie, um zuzusehen, wie der goldene Strohstern an den grünen Nadeln befestigt wurde. Der Stern schaukelte sanft hin und her, und die Hündin stupste ihn vorsichtig mit der Nase an, damit er sich drehte. Nach und nach verteilten sie alle Strohsterne im Baum. Das schlichte Gold des Strohs leuchtete wunderschön im Kontrast zum satten Dunkelgrün der Tanne. Als es draußen langsam dämmerte, knipste Tobi feierlich die Lichterkette an. Der Baum erstrahlte in warmem, sanftem Glanz. Loonie legte sich zufrieden unter die untersten Zweige. Sie fühlte sich wie in einer sicheren Höhle, geschützt von dem großen, duftenden Freund aus dem Wald. Tobi und Anna setzten sich davor auf den Teppich, nahmen Loonie in ihre Mitte und bewunderten ihr gemeinsames Werk, während der Duft von Tannennadeln und die Vorfreude auf das Weihnachtsfest den Raum erfüllten.