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Ein Korb voller Weihnachtsfreude

Ein Korb voller Weihnachtsfreude

Ein Korb voller Weihnachtsfreude
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Nach dem aufregenden Rodelabenteuer am Vortag ging es im Hause von Tobi und Anna am Morgen des einundzwanzigsten Dezembers etwas gemächlicher zu. Während Loonie schon wieder fröhlich und voller Energie durch den Flur tippelte, rieb sich Tobi mit verzerrtem Gesicht den Rücken. Die wilden Sprünge mit dem Holzschlitten hatten ihre Spuren hinterlassen, doch als er in Loonies strahlende Augen blickte, musste er sofort wieder schmunzeln. Die kleine Spitzhündin schien noch immer von der rasanten Fahrt zu träumen und forderte ihre Besitzer mit einem leisen Fiepen auf, endlich zum Adventskalender zu kommen. Das einundzwanzigste Säckchen war erstaunlich flach. Anna löste die Schnur und ließ den Inhalt vorsichtig in ihre Hand gleiten. Es waren wunderschöne, handbemalte Geschenkanhänger aus Holz und ein Bogen mit goldenen Stickern. „Oh, die sind perfekt!“, rief Anna begeistert und hatte sofort eine Idee. „Weihnachten ist doch das Fest der Freude und des Teilens. Wir sollten nicht nur an uns denken, sondern auch jemandem eine Freude machen, der vielleicht alleine ist.“ Tobi nickte zustimmend und vergaß für einen Moment seinen Muskelkater. „Du meinst Frau Hempel von nebenan? Sie kommt bei diesem tiefen Schnee bestimmt kaum vor die Tür.“ Sofort begann ein geschäftiges Treiben in der Küche. Anna holte einen hübschen Weidenkorb aus dem Schrank und legte ihn mit einer rot karierten Serviette aus. Loonie beobachtet das Geschehen aufmerksam und stellte sich auf die Hinterbeine, um besser auf die Arbeitsplatte sehen zu können. Ihre feine Nase zuckte, als Anna verschiedene Leckereien in den Korb packte: eine Tüte der selbstgebackenen Plätzchen, ein paar Walnüsse, saftige Mandarinen und eine Packung duftenden Weihnachtstee. Tobi verzierte den Henkel des Korbes mit einer Tannengirlande und band einen der neuen Holząnhänger daran, auf den er zuvor mit viel Mühe „Für Frau Hempel“ geschrieben hatte. Loonie hoffte inständig, dass vielleicht ein Keks für sie abfallen würde, doch sie musste sich mit dem köstlichen Duft begnügen. Dick eingepackt machten sie sich auf den kurzen Weg zum Nachbarhaus. Die Welt war noch immer unter der dicken Schneedecke begraben, die seit dem Rodelausflug gestern nicht geschmolzen war. Tobi trug den prall gefüllten Korb vorsichtig durch die freigeschaufelten Wege, während Loonie stolz vorauslief, als wäre sie die Anführerin einer wichtigen Expedition. Vor der grünen Haustür von Frau Hempel blieben sie stehen, und Tobi drückte die Klingel. Es dauerte einen Moment, bis schlurfende Schritte zu hören waren und die Tür einen Spaltbreit geöffnet wurde. Als die ältere Dame mit den grauen Locken ihre Besucher erkannte, huschte ein überraschtes Lächeln über ihr Gesicht. „Wir wollten Ihnen nur eine kleine Weihnachtsfreude vorbeibringen“, sagte Anna herzlich und überreichte den Korb. Frau Hempel war sichtlich gerührt und bat die kleine Familie herein. Im Flur roch es nach Lavendel und alten Büchern. Loonie, die sonst oft stürmisch war, schien genau zu spüren, dass sie hier vorsichtig sein musste. Ganz sanft näherte sie sich der alten Dame, wedelte behutsam mit ihrer buschigen Rute und legte ihren Kopf zärtlich auf Frau Hempels Pantoffeln. „Was für ein liebes Tier“, flüsterte die Nachbarin und kraulte Loonie hinter den weichen Ohren, was die Hündin mit einem wohligen Brummen genoss. Frau Hempel freute sich riesig über die Gaben und erzählte, dass sie sich wegen der Glätte tatsächlich kaum hinausgetraut hatte. Als Dankeschön kramte sie aus einer Schublade einen speziellen Hundekeks hervor, den sie „für alle Fälle“ aufbewahrt hatte. Loonie nahm das Leckerli so vorsichtig entgegen, wie es nur ging, und knackte es dann genüsslich. Als Tobi, Anna und Loonie sich wieder auf den Heimweg machten, begann es langsam zu dämmern. Ein warmes, zufriedenes Gefühl hatte sich in ihren Herzen ausgebreitet – ein Gefühl, das noch viel schöner war als Geschenke zu bekommen. Loonie lief fröhlich neben ihren Besitzern her und leckte sich die letzten Krümel von der Schnauze, während in den Fenstern ihres Zuhauses bereits die Lichterkette des Tannenbaums einladend funkelte.