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Ein goldener Stern und das schönste Geschenk
Ein goldener Stern und das schönste Geschenk
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Am Morgen des vierundzwanzigsten Dezembers erwachte das kleine Haus von Tobi und Anna in einem ganz besonderen Licht. Die Wintersonne ließ den Schnee im Garten wie Millionen kleiner Diamanten funkeln, doch drinnen herrschte eine noch viel hellere, wärmere Stimmung. Loonie, die nach ihrem ausgiebigen Wellnesstag gestern tatsächlich immer noch aussah wie eine kleine, goldene Wolke, spürte sofort, dass dieser Tag anders war als alle anderen. Es lag ein feierliches Knistern in der Luft, das ihre Rute automatisch zum Wedeln brachte, sobald sie die Augen öffnete.
Gemeinsam gingen sie zum allerletzten Mal in diesem Jahr zum Adventskalender. Das vierundzwanzigste Säckchen hing ganz oben und war mit goldenem Stoff bezogen. Anna hob Loonie hoch, damit die Hündin es mit ihrer feuchten Nase anstupsen konnte, bevor Tobi die Schleife löste. Zum Vorschein kamen keine Süßigkeiten und kein Spielzeug, sondern eine wunderschöne, glitzernde Sternspitze für den Weihnachtsbaum und ein kleines Kärtchen, auf dem „Für unsere kleine Familie“ stand. Loonie bellte zustimmend, als hätte sie verstanden, dass dieser Stern das letzte Puzzleteil für ihren prächtigen Baum war. Gemeinsam trugen sie den Schatz ins Wohnzimmer. Tobi hob Anna hoch, und sie setzte den goldenen Stern vorsichtig auf die allerhöchste Tannenspitze. Nun war alles bereit.
Der Tag verging wie im Flug, gefüllt mit letzten kleinen Handgriffen und gemütlichen Spaziergängen im Schnee, bei denen Loonie stolz ihr fluffiges Fell durch die weiße Pracht trug. Doch als die Dämmerung einsetzte, änderte sich die Atmosphäre erneut. Tobi und Anna zogen sich festliche Kleidung an, und auch Loonie bekam noch einmal ihre schicke rote Schleife umgebunden. Dann schlossen ihre Besitzer die Wohnzimmertür, und Loonie musste davor warten. Sie legte den Kopf schief und lauschte. Drinnen raschelte es, und leise Musik erklang. Die kleine Spitzhündin fiepte leise vor Aufregung, bis endlich ein helles Klingeln ertönte – genau wie das silberne Glöckchen, das sie im Adventskalender gefunden hatten.
Die Tür schwang auf, und Loonie blieb vor Staunen stehen. Das Wohnzimmer war verwandelt. Der Weihnachtsbaum strahlte im Licht unzähliger Kerzen und Lichterketten, und der neue goldene Stern an der Spitze leuchtete bis in die dunkelsten Ecken des Raumes. Der Duft von Tannennadeln, Bienenwachs und den Resten des Lebkuchenhauses erfüllte die Luft. Tobi und Anna knieten vor dem Baum und breiteten die Arme aus. „Frohe Weihnachten, kleine Loonie“, flüsterte Anna mit glänzenden Augen.
Unter dem Baum lagen bunte Päckchen, und eines davon roch verdächtig gut. Tobi schob es der Hündin zu. Erinnernd an den Spaß mit den Geschenkbändern vor ein paar Tagen, zupfte Loonie vorsichtig, dann immer wilder am Papier, bis ein herrlich weiches Plüschtier zum Vorschein kam, das leise quietschte, wenn sie darauf biss. Begeistert trug sie ihre neue Beute eine Ehrenrunde um den Baum, bevor sie sich glücklich zwischen ihre Menschen auf den weichen Teppich fallen ließ. Tobi legte den Arm um Anna, und beide kraulten Loonies weiches, goldenes Fell.
In diesem Moment, im Schein der Lichter und umgeben von wohliger Wärme, brauchte es keine Worte mehr. Loonie blickte mit ihren dunklen Knopfaugen von Tobi zu Anna und seufzte tief und zufrieden. Sie hatten zusammen gebacken, gebastelt, im Schnee getobt und das Haus geschmückt. Aber das Schönste an der ganzen Adventszeit war nicht der Kalender oder der Schnee gewesen, sondern dass sie all diese Wunder gemeinsam erlebt hatten. Die kleine Spitzhündin kuschelte sich eng an ihre Familie, schloss die Augen und genoss den perfekten Weihnachtszauber, der nun in ihrem Herzen wohnte.