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Die große Stiefelputz-Aktion

Die große Stiefelputz-Aktion

Die große Stiefelputz-Aktion
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Der Morgen des fünften Dezembers begann für Loonie mit einer vertrauten, aber köstlichen Note in der Luft. Obwohl die Backschlacht vom Vortag längst vorbei war, hing noch immer ein Hauch von Vanille und den herzhaften Leberwurst-Keksen in den Räumen. Die kleine Spitzhündin reckte sich gemütlich in ihrem Körbchen, bevor sie mit einem leisen Gähnen in die Küche tappte. Dort warteten Tobi und Anna bereits ungeduldig vor dem Adventskalender. Tobi hielt seine Tasse Kaffee in der Hand und deutete auf das fünfte Säckchen. „Na los, Loonie, zeig uns, was heute dran ist!“, forderte er sie auf. Loonie ließ sich nicht zweimal bitten. Sie stützte ihre Vorderpfoten an Tobis Hosenbein ab, während er das Säckchen öffnete. Heraus fiel etwas Weiches, Gelbes. Loonie schnappte sofort danach, doch Anna war schneller. „Nicht fressen, Loonie! Das ist kein Keks“, lachte sie und hielt einen weichen, gelben Schwamm und ein kleines Döschen Schuhcreme in die Höhe. Loonie legte den Kopf schief. Das roch seltsam chemisch und gar nicht nach Essen. Tobi grinste breit: „Genau das, was wir brauchen. Erinnerst du dich an unsere Matschstiefel von gestern? Heute Abend kommt der Nikolaus, und der füllt nur blitzblanke Stiefel.“ Den Tag über passierte nicht viel, doch als es draußen dunkel wurde und die Straßenlaternen ihr oranges Licht auf den glitzernden Schnee warfen, wurde es im Flur geschäftig. Tobi breitete alte Zeitungen auf dem Boden aus und holte die großen Winterstiefel herein, die noch immer Spuren ihres letzten Ausflugs in den Tiefschnee trugen. Die braunen und schwarzen Stiefel sahen traurig und dreckig aus, verkrustet mit getrockneter Erde. Loonie setzte sich mittendrin auf die Zeitung, fest entschlossen, bei diesem neuen Spiel dabei zu sein. Anna brachte eine Schüssel mit warmem Wasser, das herrlich dampfte. „Dann wollen wir mal“, sagte Tobi und tunke den neuen gelben Schwamm in das Wasser. Es platschte leise, und Loonie wich kurz zurück, als ein paar Tropfen auf ihrer Nase landeten. Doch ihre Neugier siegte sofort. Fasziniert beobachtete sie, wie Tobi und Anna mit kräftigen Bewegungen den Schmutz von den Stiefeln schrubbten. Das Wasser in der Schüssel verfärbte sich schnell dunkel, was Loonie äußerst spannend fand. Sie versuchte, mit ihrer Pfote nach dem schmutzigen Wasser zu angeln, doch Anna schob sie sanft beiseite. „Vorsicht, kleine Maus, sonst hast du gleich Matschpfoten im Haus“, kicherte sie. Nach dem Waschen kam das Polieren. Der Geruch der Schuhcreme kitzelte in Loonies Nase und ließ sie mehrmals niesen, was Tobi und Anna zum Lachen brachte. Mit weichen Tüchern rieben sie so lange über das Leder, bis die Stiefel im Licht der Flurlampe glänzten wie neu. Loonie sah ihr eigenes Spiegelbild in Tobis großem Winterstiefel und bellte es kurz an. „Du willst auch schick sein für den Nikolaus, stimmt’s?“, fragte Anna liebevoll. Sie nahm ein sauberes, feuchtes Tuch und wischte Loonie behutsam über die vier kleinen Pfoten. Loonie hielt still und genoss die Aufmerksamkeit. Es fühlte sich an wie eine Wellness-Behandlung für Hunde. Zufrieden betrachteten sie ihr Werk. Drei Paar Schuhe standen nun ordentlich aufgereiht im Flur: Tobis große Stiefel, Annas gefütterte Boots und – als kleiner Scherz von Tobi – Loonies rote Hundeleine, die er kunstvoll wie eine Schnecke daneben drapiert hatte. „Damit der Nikolaus auch dich nicht vergisst“, zwinkerte er der Hündin zu. Dann öffnete er kurz die Haustür und stellte die blitzblanken Schuhe auf die Fußmatte hinaus in die kalte Winternacht. Ein eisiger Windhauch wehte herein und Loonie erschnupperte den Duft von Schnee und Tannen. Tobi schloss die Tür schnell wieder. „So, jetzt heißt es warten und schlafen“, flüsterte Anna geheimnisvoll, während sie das Licht im Flur löschte. Loonie trottete in ihr Körbchen, doch ihre Ohren blieben noch lange gespitzt. Tobi hatte gesagt, jemand würde kommen. Ob dieser geheimnisvolle Besuch wohl auch Leberwurst mochte? Während draußen der Wind um die Hausecken pfiff, schlief Loonie schließlich ein, voller Vorfreude auf das, was der nächste Morgen bringen würde.