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Winterzauber auf dem Fensterglas

Winterzauber auf dem Fensterglas

Winterzauber auf dem Fensterglas
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Der Morgen des siebten Dezembers begann für Loonie, Tobi und Anna herrlich entspannt. Noch immer lag ein feiner Duft von Mandarinen und den Tannenzweigen des Adventskranzes in der Luft, der sie an den aufregenden Nikolaustag erinnerte. Loonie reckte und streckte sich ausgiebig in ihrem Körbchen, bevor sie mit einem leisen Gähnen zu Anna ins Bett hüpfte, um sich ihre morgendliche Streicheleinheit abzuholen. Tobi stand bereits vor dem Adventskalender und schmunzelte. „Na, ihr zwei Schlafmützen? Wollt ihr nicht wissen, was sich heute hinter dem siebten Säckchen verbirgt?“ Sofort war Loonie hellwach. Das Rascheln des Säckchens war mittlerweile eines ihrer Lieblingsgeräusche geworden. Neugierig trappelte sie zu Tobi, während Anna sich noch den Schlafrock überzog. Das siebte Päckchen war lang und schmal, fast wie ein Stöckchen, dachte Loonie und schnupperte daran. Tobi öffnete den Knoten und zog einen dicken, weißen Stift hervor. „Ein Stift?“, fragte er verwundert und drehte ihn in den Händen. Anna lachte auf. „Das ist nicht irgendein Stift, das ist ein Kreidemarker! Damit können wir den Winter direkt ins Wohnzimmer holen, ganz egal, wie viel Schnee draußen liegt.“ Nach einem gemütlichen Frühstück machten sie sich ans Werk. Anna reinigte die große Fensterscheibe im Wohnzimmer, bis sie quietschsauber war, während Loonie jede Bewegung des Putzlappens mit wachsamen Augen verfolgte. Dann durfte Anna beginnen. Mit dem weißen Stift malte sie schwungvolle Linien auf das Glas. Es quietschte leise, und Loonie legte den Kopf schief. Was machte ihr Frauchen da? Wo der Stift das Glas berührte, blieben strahlend weiße Spuren zurück. Langsam entstanden wunderschöne, verschnörkelte Eisblumen und dicke Schneeflocken, die aussahen, als würden sie direkt vom Himmel fallen und am Fenster kleben bleiben. Loonie konnte ihre Neugier nicht mehr zügeln. Vorsichtig stellte sie sich mit den Vorderpfoten auf das Fensterbrett, um das Wunderwerk aus der Nähe zu betrachten. Sie stupste mit ihrer feuchten, schwarzen Nase gegen eine der gemalten Schneeflocken, doch zu ihrer Überraschung war sie gar nicht kalt und nass, sondern trocken und glatt. Verwirrt leckte sie kurz über das Glas, was Tobi zum Lachen brachte. „Vorsicht, Loonie, nicht die Kunstwerke wegputzen!“, rief er fröhlich und nahm nun selbst den Stift in die Hand. „Ich glaube, hier fehlt noch etwas Wichtiges“, murmelte Tobi konzentriert. Er malte eine kleine Hütte mit einem schiefen Schornstein und direkt daneben ein kleines Tier mit spitzen Ohren und einem kringeligen Schwanz. Loonie bellte kurz auf, als sie die Zeichnung sah. Das war doch sie! Oder zumindest sah der kleine Kreidehund fast genauso aus wie sie. Anna klatschte begeistert in die Hände. „Perfekt! Jetzt haben wir unser eigenes kleines Winterwunderland, das niemals schmilzt.“ Den restlichen Nachmittag verbrachten sie damit, das Wohnzimmer weiter zu verschönern, während draußen langsam die Dämmerung einsetzte. Als es schließlich dunkel war, zog Tobi seine Jacke an und winkte Anna und Loonie zu sich. „Kommt mal kurz mit raus in den Garten, ich will euch etwas zeigen.“ Schnell schlüpften sie in ihre Stiefel – Loonie brauchte zum Glück keine Schuhe – und traten in die kühle Abendluft. Der Anblick, der sich ihnen bot, war zauberhaft. Das warme Licht aus dem Wohnzimmer strahlte durch die bemalten Scheiben nach draußen und ließ die weißen Kreidezeichnungen hell leuchten. Die Schneeflocken, die Tannenbäume und der kleine Kreidehund funkelten wie aus Licht gemacht. Es sah so einladend und gemütlich aus, dass Loonie sich eng an Tobis Bein drückte. Zufrieden betrachteten sie ihr Werk, bevor die Kälte sie wieder ins warme Haus trieb, wo Anna bereits Teewasser aufsetzte und Loonie sich wieder auf ihren Kauknochen vom Vortag freute.