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Ein Festmahl für die gefiederten Freunde

Ein Festmahl für die gefiederten Freunde

Ein Festmahl für die gefiederten Freunde
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Die Morgensonne des achten Dezembers kitzelte Loonie an der Nase und weckte sie sanft aus ihren Träumen. Als die kleine Spitzhündin die Augen öffnete, entdeckte sie auf dem Wohnzimmerteppich ein lustiges Spiel aus Licht und Schatten. Die Sonne schien direkt durch die mit Kreide bemalten Fensterscheiben, die sie gestern so kunstvoll verziert hatten, und projizierte die Umrisse der Schneeflocken und des kleinen Kreidehundes direkt vor Loonies Pfoten. Freudig wedelnd tapste sie zu den Lichtflecken, doch bevor sie diese genauer untersuchen konnte, hörte sie Anna aus der Küche rufen. „Guten Morgen, meine kleine Schneeprinzessin!“, begrüßte Anna die Hündin und kraulte sie ausgiebig hinter den flauschigen Ohren. Tobi stand bereits am Adventskalender und hielt das achte Säckchen in der Hand. Es war schwerer als die anderen und raschelte geheimnisvoll, als er es leicht schüttelte. „Hört sich an wie eine Rassel“, vermutete Tobi und kniete sich zu Loonie auf den Boden. Loonie schnupperte aufgeregt an dem Stoffbeutel. Es roch ein wenig erdig und nussig. Als Tobi die Schleife löste, kamen keine Schokolade und kein Spielzeug zum Vorschein, sondern eine große Tüte voller bunter Körner, Sonnenblumenkerne und Haferflocken, dazu ein Stück festes Kokosfett. Loonie legte den Kopf schief und blickte fragend von Tobi zu Anna. Sollte sie das etwa essen? Anna lachte und nahm die Tüte entgegen. „Das ist nicht für dich, Loonie, und auch nicht für uns. Das ist für unsere Gartengäste. Wenn so viel Schnee liegt wie jetzt, finden die Vögel draußen kaum noch Futter.“ Tobi nickte eifrig. „Genau! Heute eröffnen wir ein Sternerestaurant für Meisen und Spatzen.“ In der Küche wurde es sogleich geschäftig. Anna erwärmte das Fett vorsichtig in einem Topf, bis es flüssig war, während Tobi die Körnermischung in eine große Schüssel schüttete. Loonie wuselte aufgeregt zwischen ihren Beinen herum, immer in der Hoffnung, dass vielleicht doch eine Kleinigkeit für sie auf den Boden fallen würde. Tatsächlich kullerte ein Sonnenblumenkern vom Tisch, den sie neugierig beschnupperte, aber schnell feststellte, dass er nicht halb so gut schmeckte wie ihre Leberwurstkekse. Als das Fett etwas abgekühlt war, durften Tobi und Anna die Körner hineinmischen und aus der klebrigen Masse kleine Futterkugeln formen. Es schmatzte und klebte herrlich, und Loonie beobachtete fasziniert, wie Tobi versuchte, die Körner von seinen Fingern zu lösen. Nachdem die Futterkugeln fest geworden waren, zogen sich alle drei warm an. Im Garten glitzerte der Schnee in der Vormittagssonne. Tobi suchte einen stabilen Ast am alten Apfelbaum aus, der gut vom Wohnzimmerfenster zu sehen war. Vorsichtig hängten sie die selbstgemachten Leckereien auf. Loonie sprang im tiefen Schnee umher und bellte leise den Baum an, als wollte sie den Vögeln Bescheid geben, dass das Buffet nun eröffnet sei. Zurück im warmen Haus machten es sich Loonie, Tobi und Anna auf dem Sofa gemütlich. Sie blickten durch das gestern bemalte Fenster hinaus in den Garten. Es dauerte gar nicht lange, da landete die erste Blaumeise auf dem Ast. Sie hüpfte nervös hin und her, bevor sie an einer der Futterkugeln pickte. Loonie spitzte die Ohren und drückte ihre feuchte Nase fast gegen die Scheibe, direkt neben eine der gemalten Kreide-Schneeflocken. Fasziniert beobachtete sie den kleinen, blauen Vogel. Kurz darauf gesellte sich ein Rotkehlchen mit leuchtend orangeroter Brust dazu. „Schau mal, Loonie“, flüsterte Anna leise, „jetzt feiern die Vögel auch ein kleines Fest.“ Die Hündin seufzte zufrieden und kuschelte sich eng an Tobi. Es fühlte sich gut an, das Glück mit den kleinen Besuchern im Garten zu teilen.